19.12.2018  DHB-Pokal

Drama, Krimi, Verlängerung: Füchse erlegen Löwen in mitreißender Partie

Mit 37:35 (30:30, 14:17) gewinnen die Füchse Berlin das DHB-Pokal-Viertelfinale gegen die Rhein-Neckar Löwen. In einer hochklassigen und spannenden Begegnung schaffen es die Füchse einen Rückstand nach der Schlusssirene der offiziellen Spielzeit auszugleichen, um sich dann in der Verlängerung auf die Siegerstraße zu bringen.

„Nu aber Butter bei die Füchse“ heißt es auf den Siegershirts der Füchse Berlin. Es geht nach einem hochklassigen Handballleckerbissen für die Füchse zum REWE Final Four nach Hamburg. Es entwickelte sich eine ausgeglichene Partie. Die Gäste legten vor und die Füchse zogen direkt nach. 

Doch in der 14. Spielminute verwandelte Kapitän Hans Lindberg einen Siebenmeter und die Füchse gingen beim 7:6 erstmals in Führung. Doch diese hielt nicht lange an, da der in der ersten Hälfte unfassbar spielende Andy Schmid prompt ausglich. Es dauerte eine ganze Weile, ehe ein Team mit mehr als einem Tor in Front gehen konnte. 

Das waren schließlich die Rhein-Neckar Löwen, die beim 8:10 zwei kleine Schritte vorn lagen. Beide Teams zeigten ihre ganze Klasse und verzückten mit ihren Aktionen immer wieder die Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle. Doch nun leistete sich das Team von Velimir Petkovic kleine Unkonzentriertheiten, auf die Petkovic beim Stand von 10:13 mit einer Auszeit reagierte.

Allerdings waren die Löwen in dieser Phase die wachere Mannschaft und konnten sich somit bis auf 10:15 absetzen. In einer Überzahlsituation schlugen die Hausherren jedoch zurück und kamen bis auf 13:15 heran. Letztlich wurden beim Stand von 14:17 die Seiten gewechselt. 

Zu Beginn des zweiten Durchgangs drehte Linksaußen Bjarki Elisson mächtig auf. Der Isländer verkürzte zunächst durch einen Doppelschlag auf 17:19 und erkämpfte sich kurze Zeit später nach seinem Treffer zum 19:21 auch noch einen Siebenmeter. Die Füchse hielten somit weiterhin den Kontakt und als der eingewechselte Fredrik Genz einen Siebenmeter entschärfen konnte, brennte jeder Platz im Berliner Fuchsbau. 

Nach dem Treffer von Mattias Zachrisson war beim 23:24 der Kontakt hergestellt und die Gäste aus Mannheim waren nur noch einen kleinen Schritt im Vorteil. Nach einer Auszeit von Gästetrainer Nikolaj Jacobsen, zog der amtierende DHB-Pokal-Sieger auf 23:26 davon. Doch Hans Lindberg verkürzte durch einen Heber vom Siebenmeterstrich wieder auf zwei. Nach einem Treffer von Paul Drux zum 25:27 kam vielleicht erstmals der Gedanke auf, dass dieses berauschende Handballspiel anstatt zehn noch 20 Minuten gehen könnte. 

Ein Doppelschlag bewirkte sieben Minuten vor dem Schlusspfiff das 25:29. Velimir Petkovic reagierte mit einer Auszeit, um noch die letzten Kräfte zu mobilisieren. Der Impuls zeigte Wirkung Jacob Holm, Hans Lindberg vom Siebenmeterstrich und ein gehaltener Siebenmeter von Silvio Heinevetter führten dazu, dass wiederum Hans Lindberg vier Minuten vor dem Schlusspfiff auf 28:29 verkürzen konnte. Das Füchse-Revier bebte und kurz vor Anbruch der letzten Spielminute zückten die Gäste beim 29:30 ihre letzte Auszeit. Doch die Defensive der Füchse hielt stand und somit verblieben den Hausherren etwas mehr als 20 Sekunden, um die Verlängerung herbeizuführen. Siebenmeterpfiif und Schlusspfiff waren das Resultat. Kapitän Hans Lindberg verwandelte kaltschnäuzig per Heber zum 30:30-Unentschieden.

Somit gab es in diesem spektakulären Handballkrimi noch eine Zugabe von zweimal fünf Minuten. In dieser gingen zunächst erneut die Löwen in Front. Doch Johan Koch und wenig später Fabian Wiede im Tempogegenstoß drehten das Geschehen zugunsten des Hauptstadtclubs. Beim 33:32 gab es den letzten Seitenwechsel. Paul Drux war direkt wieder durchsetzungsstark und verwandelte den Fuchsbau mit dem 34:32 in ein Tollhaus. 

Dieser Geräuschpegel wurde nur noch von seinem Treffer zum 36:33 getoppt und als Jacob Holm zum Endstand von 37:35 einnetzte gab es kein Halten mehr. Die Füchse Berlin schlagen in einem emotionalen, mitreißenden und sehr hochklassigen Handballspiel die Löwen und ziehen ins REWE Final Four ein. Beim Endturnier bietet sich nun die große Chance auf den Titelgewinn im DHB-Pokal.

Velimir Petkovic (Trainer Füchse Berlin):
Zum Schluss brauchst du auch Glück. Die letzten zehn Minuten entscheiden ein Spiel. In den ersten 50 Minuten haben wir nicht die perfekten Lösungen im Angriff und in der Abwehr gefunden. Die Achse Kohlbacher-Schmid hat gut funktioniert. Wir haben 40 Minuten ohne Emotionen gespielt. Ich habe gedacht, wir sind leer. Aber ich wollte das nicht glauben und habe versucht, die Mannschaft zu wecken mit verschiedenen Deckungsvarianten. 
Ich war nicht zufrieden mit Heine, habe ihm aber gesagt, jetzt kommst du wieder rein und bringst uns nach Hamburg und er hat daran geglaubt. Bei minus Zwei war das Publikum da und wir hatten dann auch die Emotionen im Spiel. 

Bob Hanning (Geschäftsführer Füchse Berlin):
Das war Handball auf allerhöchstem Niveau. Was Schmid in der ersten Halbzeit gespielt hat, war unmenschlich. Wir sind über den Kampf ins Spiel gekommen. Bjarki hat ein herausragendes Spiel gemacht, für Paul war das ein wichtiges Spiel. Das Momentum war dann auf unserer Seite, ich bin extrem froh, nach Hamburg zu dürfen.

Füchse Berlin – Rhein-Neckar Löwen 37:35 n.V. (14:17; 30:30; 33:32)

Füchse: Heinevetter, Genz – Wiede (3), Elisson (7), Holm (4), Struck, Gojun, Zachrisson (2), Simak (2/1), Schmidt (1), Jallouz, Reissky, Koch (2), Drux (7), Lindberg (7/6), Marsenic (2), Matthes, Matzken

Löwen: Appelgren, Palicka – Schmid (7), Lipovina, Sigurdsson, Radivojevic, Tollbring (8/3), Abutovic, Mensah (10), Fäth, Groetzki (2), Taleski, Guardiola (1), Petersson (2), Nielsen (1), Kohlbacher (4)

Trainer: Nikolaj Jacobsen – Velimir Petkovic

Schiedsrichter: Robert Schulze / Tobias Tönnies (Magdeburg)

Strafminuten: Marsenic (2), Schmidt (2) – Nielsen (6), Petersson (6), Groetzki (2), Kohlbacher (2)

Rote Karten: / - Nielsen (47.), Petersson (55., beide dritte Zwei-Minuten-Strafe)

Siebenmeter: 7/9 – 3/5

Füchse: Palicka hält Siebenmeter von Lindberg (24.) und von Simak (38.)

Löwen: Genz hält Siebenmeter von Tollbring (41.), Heinevetter von Schmid (56.)

Spielfilm: 0:2, 2:2, 2:3, 3:4, 4:5, 5:6, 7:6, 7:8, 8:10, 9:11, 10:11, 10:15, 12:15, 13:17, 14:17 (HZ), 14:18, 15:18, 15:19, 17:19, 18:21, 20:23, 23:24, 23:26, 24:27, 25:29, 28:29, 29:30, 30:30 (60.) 30:31, 32:31, 33:32 (HZ), 34:32, 35:33, 37:35 (EN)

Quelle: Füchse Berlin

Foto: Lächler