13.10.2018  2. Handball-Bundesliga

Der Samstag in der 2. HBL: Der Positionskampf geht weiter

Während sich die Schwergewichte Hamm, Balingen und Lübeck-Schwartau mit Siegen in der Spitzengruppe der Liga festsetzen wollen, steht im Ostderby zwischen Elbflorenz und Dessau der knallharte Abstiegskampf im Vordergrund. Vor allem der HC Elbflorenz will gegen den DRHV endlich den Bock umstoßen und den ersten Saisonsieg feiern. Das Überraschungsteam aus Ferndorf hat die HSG Nordhorn-Lingen zu Gast, Großwallstadt will dem TuS N-Lübbecke ein Bein stellen. Die Partien im Überblick:

19:00 Uhr: HBW Balingen-Weilstetten - HC Rhein Vikings

Die Rollen scheinen im Vorfeld der Partie zwischen HBW Balingen-Weilstetten und den Rhein Vikings klar verteilt zu sein. Während die Hausherren zuletzt vier Mal hintereinander siegreich waren, läuft es bei den Gästen aus Düsseldorf alles andere als rund. Auch der Trainerwechsel hat sich bei den Vikings noch nicht bemerkbar gemacht. Mit drei Punkten aus den ersten acht Spielen steckt der HC mitten im Abstiegskampf. Balingen hingegen wird den eigenen Ansprüchen mehr und mehr gerecht und findet sich in der Spitzengruppe der Liga wieder.

HBW-Trainer Jens Bürkle nimmt die Heimaufgabe jedoch alles andere als auf die leichte Schulter. "Ein angeschlagener Boxer ist besonders gefährlich. Die haben schon einige Spieler dabei, die richtig Qualität haben“, ist Bürkle davon überzeugt, dass die Vikings nicht mehr lange im Tabellenkeller stecken werden. Und dennoch gehen die Gastgeber als klarer Favorit in die Partie und wollen ihre derzeit starke Verfassung bestätigen. Besonders motiviert sein dürfte Martin Strobel, der nach einer über zweijährigen Pause nun wieder zurück in den Kreis der deutschen Nationalmannschaft rückt.

Mit dem TSV Bayer Dormagen erwartet der VfL Lübeck-Schwartau erstmals in dieser Saison einen Aufsteiger in der Hansehalle. Mit 7:9-Punkten kann man bei den Rheinländern durchaus von einem gelungenen Saisonstart sprechen. Besonders in der Offensive hat der TSV bereits die ein oder andere Duftmarke hinterlassen und bereits 227 Treffer erzielt - einer der Bestwerte der Liga. Vor allem der junge Rechtsaußen Tim Wieling tat sich beim Tore werfen hervor und führt derzeit die Torjägerliste zusammen mit Aues Eric Meinhardt an. Der VfL ist mit 10:6-Punkten in die neue Spielzeit gestartet und präsentierte sich dabei äußerst heimstark. Das Prunkstück der Hausherren ist die Abwehr - mit nur 180 Gegentoren nach acht Spielen stellt Lübeck-Schwartau derzeit die beste Defensive der Liga. 

VfL-Trainer Torge Greve und sein Team haben sich gut auf den kommenden Gegner vorbereitet: „Wie vor jedem Spiel haben wir auch in dieser Woche wieder eine intensive Videoanalyse betrieben. Uns erwartet eine gut ausgebildete Mannschaft, die einen dynamischen Handball spielt. Die Mischung ist den Verantwortlichen gut gelungen. Neben jungen, hungrigen Spielern verfügt der TSV auch über etliche erfahrene Akteure.“

Der ASV Hamm-Westfalen hat einen starken Saisonauftakt hingelegt und steht derweil mit 12:4-Punkten auf dem dritten Tabellenrang. Für die Mannschaft von Trainer Kay Rothenpieler geht es demzufolge darum, den Anschluss an die Spitze im Kampf um den Aufstieg in die 1. Bundesliga zu halten. In den zurückliegenden vier Partien fuhren die Hausherren gegen Elbflorenz und Dessau-Roßlau sowie in Rimpar und bei den HC Rhein Vikings jeweils Siege ein und haben damit eine beachtliche Siegesserie vorzuweisen. Anders sieht der Saisonstart bei Absteiger Hüttenberg aus. Die Mannschaft von Trainer Emir Kurtagic konnte lediglich zwei der ersten sieben Saisonspiele gewinnen und läuft den Erwartungen damit hinterher. Vergangenen Samstag konnte das Team allerdings einen überzeugenden Heimsieg gegen den TV Großwallstadt einfahren.

"Wir haben uns über mehrere Spieltage gerade in der Offensive immer wieder gesteigert, und da war es natürlich enorm wichtig, dass wir endlich zwei Heimpunkte einfahren konnten. Die Jungs haben sich unheimlich gefreut und man hat gemerkt, dass einiges von ihnen abgefallen ist", sagt Kurtagic im Vorfeld der Partie in Hamm. Björn Zintel, der mit dem TVH an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt, wird sicherlich auch keine Geschenke verteilen und die Punkte entführen wollen.

Zum ersten Ostkracher der 2. Liga empfängt der HC Elbflorenz den Dessau-Roßlauer HV 06 am heutigen Abend in der BallsportARENA Dresden. Das Team aus Sachsen-Anhalt steht derzeit mit 4:12 Punkten auf dem 18. Tabellenplatz und ist damit annähernd so gestartet wie der HC. Nach vier sieglosen Spielen mit Niederlagen in Hamburg und Hamm sowie in eigener Halle gegen Ferndorf und Balingen, bekommt das Derby für den Gast eine ähnliche Bedeutung wie für die Hausherren. HC-Trainer Christian Pöhler: „Auch die Dessauer sind derzeit nicht gefestigt und hatten zuletzt eine Niederlageserie wegzustecken.“ Jedoch konnten die Gäste in dieser Saison immerhin schon zwei Siege einfahren. Ein Gefühl, dass das Team des HC Elbflorenz schmerzlich vermisst. In den bisherigen acht Partien reichte es lediglich für zwei Unentschieden.

Jedem beim HC ist klar, dass das Spiel gegen Dessau das bisher wichtigste der laufenden Saison ist. Die Dresdner wollen natürlich den Heimsieg. Trainer Christian Pöhler stellt klar: „Wir haben uns vor der Saison für die Derbys klare Ziele gesetzt. Wir wollen den Bock natürlich zu Hause umstoßen.“ In eigener Halle zeigte der HC in dieser Spielzeit seine besten Leistungen, ohne sich jedoch mit 2 Punkten zu belohnen. Heute Abend ist es an der Zeit.

Hätte man vor der Saison nach einer Einschätzung zu dieser Partie gefragt, hätten sich wohl die meisten für die Gäste aus Nordhorn ausgesprochen. Doch der Aufsteiger aus Ferndorf ist famos in die neue Spielzeit gestartet und liegt in der Tabelle gar vor der HSG Nordhorn-Lingen. Ganze elf Punkte konnte das Team von Trainer Michael Lerscht in den ersten acht Spielen bereits sammeln und ließ dabei vor allem in eigener Halle nichts anbrennen. Selbst die Hochkaräter aus Lübeck und Hamm bissen sich in Ferndorf die Zähne aus. Am vergangenen Samstag musste der TuS bei den Rimparer Wölfen allerdings die zweite Saisonniederlage einstecken. Das Selbstbewusstein dürfte beim Aufsteiger aber dennoch weiterhin in großen Mengen vorhanden sein.

Der Saisonstart der HSG lässt sich als durchwachsen bezeichnen. Nach zwei Siegen zu Beginn der Saison folgten in den darauffolgenden vier Spielen drei Niederlagen. Besonders in fremder Halle taten sich die Nordhorner zuletzt schwer und konnten aus den letzten drei Auswärtspartien lediglich einen Punkt mitnehmen. Diesen holten die Gäste am vergangenen Mittwoch beim 23:23 in Großwallstadt. Somit dürfte auch die Kräftefrage im Verlauf des Spiels in Ferndorf eine Rolle spielen.

Der TuS N-Lübbecke galt zu Beginn der Spielzeit als der Titelkandidat schlechthin. Allgemein wurde den Ostwestfalen eine Rückkehr in die erste Liga zugetraut, nachdem sie im späten Frühjahr recht unglücklich abgestiegen waren. Der Verein bekennt sich auch selbst zu dieser ambitionierten Zielsetzung und will, wie zuletzt in der Saison 2016/17 als er Meister in der zweiten Liga wurde, direkt wieder in die erste Bundesliga hoch. In den ersten fünf Partien enttäuschte das Team von Trainer Aaron Ziercke jedoch regelmäßig und musste sich gleich drei Mal geschlagen geben. In den vergangenen Wochen hat Lübbecke dann aber in die Erfolgsspur gefunden, feierte gegen Lübeck-Schwartau und Elbflorenz deutliche Heimsiege und konnte auch beim HSV in Hamburg gewinnen. Nun will man beim TVG nachlegen.

Anders die Ausgangslage beim TV Großwallstadt. Für den Aufsteiger lautet das große Ziel dieser Saison die Klasse zu halten. Bereits die ersten acht Partien der laufenden Spielzeit haben gezeigt, dass das Team von Trainer Florian Bauer dafür hart wird kämpfen müssen. Allerdings konnte der TVG Anfang Oktober gegen die Rhein Vikings den ersten Saisonsieg feiern und am vergangenen Mittwoch auch der HSG Nordhorn-Lingen zumindest einen Punkt abknüpfen. Lübbecke dürfte und sollte also gewarnt sein.

Foto: Bültmann