15.12.2018  2. Handball-Bundesliga

Schwartau behält im Krimi gegen Elbflorenz kühlen Kopf

1993 Zuschauer sahen einen 26:25-Sieg des VfL Lübeck-Schwartau gegen den HC Elbflorenz. Der VfL trat dabei mit dem letzten Aufgebot gegen einen zuletzt erfolgsverwöhnten Aufsteiger aus Dresden an.

Noch vor dem Anpfiff konnte einem angst und bange werden, so man es denn mit dem VfL Lübeck-Schwartau hält. Gleich sechs Stammspieler fehlten Torge Greve (Damm, Möller, Claasen, Hansen, Genda, Podpolinski). Das war natürlich auch den Gästen aus Dresden nicht verborgen geblieben. Ihr Trainer Christian Pöhler zur Marschroute: „Wir wussten um die schwierige Situation der Schwartauer und wollten deshalb hohes Tempo gehen.“ Hohes Tempo allerdings legten die Gastgeber vor. Nach dem 0:1 Rückstand drehte der VfL richtig auf. Es gelang beinahe alles und so konnte der Rückstand in ein 5:1 umgewandelt werden. Schwartau-Trainer Torge Greve fasst den Spielbeginn wie folgt zusammen: „Die Zuschauer waren von Anfang an dabei. Das hilft natürlich, um gut rein zu kommen. Ich hatte schon fast die Sorge, dass wir etwas übersteuern. Wir haben fast alles getroffen, haben gute Lösungen im Angriff gefunden und hinten eine gute Abwehrleistung abgeliefert.“

Sinnbild für die erfolgreiche Abwehr war Martin Waschul. Der Kapitän hielt den Laden zusammen und kämpfte wie ein Löwe, oder besser: wie ein Tiger. So hatten es die Dresdner immer wieder schwer, aus dem Positionsangriff zu Erfolgen zu kommen und auch die Kreisanspiele blieben häufig in der Abwehr der Lübecker hängen. Dass der VfL den HC Elbflorenz nicht schon frühzeitig abschütteln konnte, lag an der sehr erfolgreichen ersten und zweiten Welle der Sachsen, die beim Stand von 7:5 wieder in Schlagdistanz waren.

Schade war in dieser Phase, dass leichte Unkonzentriertheiten auf Seiten der Lübecker dazu geführt haben, dass die Führung nicht wieder deutlicher wurde. Die Gelegenheiten waren da, aber die letzten Anspiele oder die Abschlüsse zu ungenau. In dieser Phase kam die zunehmende Hektik den Gästen sicherlich mehr entgegen. Torge Greve zu den ersten 30 Minuten: „Ich war mir fast sicher, dass wir das Tempo der ersten Phase nicht halten können. Man muss sich nur einmal vor Augen halten, wer heute im Kader war und wer nicht. Aber meine Mannschaft hat das hervorragend gemacht, von der Nummer eins bis zur Nummer 13. Und am Ende der ersten Halbzeit hätten wir sogar noch mit einer deutlicheren Führung in die Kabine gehen können.“ Hätte, hätte, Fahrrad…. Ach, lassen wir das. Mit 15:13 wurden die Seiten gewechselt.

„Es war wichtig, dass wir das Spiel über 60 Minuten eng gestalten. Das war gar nicht selbstverständlich. Wir haben heute Spieler auf Positionen eingesetzt, die für sie alles andere als gewohnt waren. Ich denke dabei vor allem an Jannik Schrader, der plötzlich Rückraum-Mitte spielen musste. Aber sie haben es alle gut gelöst“, so ein zufriedener VfL-Trainer nach dem Spiel. „Und in den Momenten, in denen es spielerisch nicht so gut lief, haben sich alle richtig reingehauen. Das ist der Charakter, der diese Mannschaft auszeichnet.“

Vor dem Erfolg stand aber die Dramatik. Nach 39 Minuten hatte sich Elbflorenz nicht nur wieder herangekämpft, sondern sogar die Führung zurückerobert (17:18, 39. Minute). Torge Greve zu dieser Spielphase: „Wir sind schlecht aus der Halbzeit gekommen. Dresden hat das Tempo noch einmal verschärft und ist wieder in Führung gegangen. Aber genau in diesem Moment haben uns die Zuschauer unterstützt und so etwas überträgt sich dann auf das Parket. Vielen Dank an unsere Fans dafür.“

Mit der Unterstützung von den Rängen konnte der VfL das Spiel erneut drehen, ohne sich allerdings entscheidend absetzen zu können. Noch einmal Gästetrainer Christian Pöhler: „Der VfL war heute das glücklichere Team. Am Ende sind wir in alte Muster verfallen und konnten nicht wegziehen. So ist die Schlussphase sehr hektisch geworden, ohne dass wir aber noch einmal den Punch hatten, um zurück zu schlagen.“

Die Partie blieb bis zum Ende spannend – das bessere Ende sollte aber bei den Ostholsteinern liegen. Vielleicht symptomatisch war der 7-Meter von Thees Glabisch in der 57. Minute beim Stand vom 24:23: im ersten Versuch scheiterte der erfolgreichste Schütze des VfL (8 Treffer), der Nachwurf fand aber unter schwerer Bedrängnis sein Ziel. Und als Torwart-Riese Dennis Klockmann in der 58. (wie so oft, wenn es eng wurde in dieser Saison) einen Angriff der Dresdner parierte, war der Deckel auf dem neunten Heimsieg drauf. Der Rest war Routine und Abgeklärtheit. Auch wenn der HC Elbflorenz etwas mit den Schiedsrichter-Entscheidungen der letzten Minuten haderte, waren sie sicherlich nicht verantwortlich für den Heimsieg des VfL.

„Wir hatten einige Schwächephasen in unserem Spiel“, resümiert ein zufriedener VfL-Trainer Torge Greve. „Außerdem hat Elbflorenz seine starke Physis in die Waagschale geworfen. Aber wir sind über 60 Minuten immer wieder zurück ins Spiel gekommen. Jeder meiner Spieler, ob er jetzt viel oder auch gar nicht gespielt hat, hat seine Aufgabe erfüllt. Wir sind als Mannschaft aufgetreten, auf die die Zuschauer stolz sein können und wir haben die Punkte glücklicherweise in Lübeck behalten.“

Quelle: VfL Lübeck-Schwartau

Foto: Koenig