06.06.2024  LIQUI MOLY HBL

ÜberZahl – Die Zahlenkolumne: SCM mit Rekorden auf allen Ebenen zur Meisterschaft

Der SC Magdeburg ist Deutscher Meister der Saison 2023/24 und brach dabei gleich mehrere Effizienz-Rekorde mit seinem herausragenden Angriff. In der neuen Ausgabe von „ÜberZahl“ analysiert Datenanalyst Julian Rux, wie der SCM den deutschen Handball-Olymp erneut erklimmen konnte.

Während der Titelgewinn des SC Magdeburg vor zwei Jahren primär an der überragenden Offensive lag, hat die Verteidigung in der zurückliegenden Saison 23/24 eindrucksvoll aufgeholt. Mit nur 25,8 Gegentoren pro 50 Ballbesitze stellte der Meister in der abgelaufenen Spielzeit auch die beste Hintermannschaft der LIQUI MOLY HBL. Vor zwei Jahren lagen sie noch auf dem dritten Rang. 

Der größte Unterschied im Vergleich zu 2021/22 waren die Torhüter. Sergey Hernández, Nikola Portner und Mikael Aggefors parierten 31,8 % der Bälle auf ihr Tor, so viel wie die Schlussmänner keiner andere Mannschaft. Auch aus dem Feld wehrten sie mit 33,0 % mehr als alle anderen Gespanne ab. Vor zwei Jahren kamen die Magdeburger Torhüter noch auf 27,8 %, den damals lediglich zwölftbesten Wert. 

Neuzugang Hernández lag ligaweit mit 32,6 % gehaltenen Bällen auf Rang vier bei der Paradenquote, bei den Feldparaden mit 34,6 % sogar auf dem ersten Rang. Portner war mit 30,8 % (Rang 5) respektive 31,4 % (Rang 6) nur knapp dahinter. 

Doch es waren nicht allein die Torhüter, die die Magdeburger Defensive auf ein so hohes Niveau brachten. Mit lediglich 4,9 Strafminuten pro Spiel musste der SCM so wenig wie kein anderes Team in Unterzahl spielen. Dazu erzwangen sie am zweitmeisten Ballverluste mit 10,3 pro 50 Ballbesitze. Lediglich der THW Kiel lag hier mit 11.2 noch vor dem neuen Meister. 

Effizienz-Rekorde im Angriff

Doch trotz der sehr guten Verteidigung war erneut der Angriff das Steckenpferd der Mannschaft von Bennet Wiegert und der Hauptgrund, weshalb sie sich den Titel holten. Denn mit 31,8 Toren pro 50 Ballbesitze sowie einer Wurfquote von 71,6 % stellten sie neue Rekorde in der LIQUI MOLY HBL auf. Kein anderes Team ist je effizienter im Angriff gewesen als der SCM in der Saison 2023/24.  

Bei der gesamten offensiven Effizienz übertrafen sie den Rekord des THW Kiels aus der Saison 2020/21, die mit 31,4 Toren pro 50 Ballbesitzen bisheriger Rekordhalter waren. Bei der Wurfquote verdrängten sie sich selbst auf Rang zwei und drei und belegen nun gleich vier Plätze in der Top5. Lediglich die Füchse Berlin tauchen in diesem Ranking ebenfalls auf, die Mannschaft von Trainer Jaron Siewert hat sich mit starken 68,2 % auf Rang 4 geschoben. 

Über den Hintergrund dieser Magdeburger Rekorde wurde an dieser Stelle schon unzählige Male geschrieben. Mit 6,7 Metern werfen sie im Positionsangriff aus der kürzesten Distanz und haben zudem den dritthöchsten Anteil an Würfen aus Erste-Welle-Gegenstößen mit 11,7%. 

Insgesamt sind die Angriffe der Sachsen-Anhaltiner aber mit 33,4 Sekunden im Mittel durchschnittlich lang. Denn sie spielen ihre Angriffe im Positionsangriff geduldig aus und setzen stark auf Isolationen, was auch der mit 12,0 geringste Wert an Pässen pro 35 Sekunden Ballbesitz zeigt. Ein weiterer Vorteil des auf Eins-gegen-Eins ausgerichteten Angriffsspiels sind die vielen Siebenmeter. 5,0 Strafwürfe pro 50 Ballbesitze sind ebenfalls der Bestwert der Liga. 

Das i-Tüpfelchen auf der herausragend effizienten Offensive sind die lediglich 7,8 Ballverluste pro 50 Ballbesitze. Bei seinem Spielstil nimmt Wiegert eigentlich eine etwas höhere Ballverlustzahl in Kauf, doch seine Spieler waren auch hier überragend. 

Die Spieler: Bestwerte auf allen Positionen

Bei den Spielern ist allen voran Felix Claar zu nennen. Der Neuzugang musste den lange verletzten Vorjahres-MVP der LIQUI MOLY HBL und EHF Champions League Gísli Kristjánsson über lange Zeit ersetzen und meisterte dies herausragend. Mit 5,2 Feldtoren pro Spiel war er der sechstbeste Feldtorschütze der Liga. 

Dabei war der Schwede mit einer Wurfquote von 70,4 % der zweiteffizienteste Spieler der LIQUI MOLY HBL mit mindestens sechs Feldwürfen. Nur Mathias Gidsel war mit 72,4 % noch effizienter. Dazu kamen noch 1,2 erhaltene Siebenmeter pro Spiel, der drittbeste Wert der Liga hinter Gidsel (1,8) und Jannik Kohlbacher (1,6). 

Noch effizienter im Angriff war Magnus Saugstrup. Sensationelle 89,1 % seiner Versuche traf der Kreisläufer. Unter allen Spielern mit mindestens zwei Würfen pro Spiel der beste Wert der Liga, selbst wenn man Siebenmeter (von denen er selbst 1/1 traf) berücksichtigt. 

Bester Torschütze des SCM war allerdings Ómar Ingi Magnússon. Mit 239 Toren landete der Isländer auf Rang drei in der Torschützenliste und auch pro Spiel war er mit 7,0 der drittbeste Torschütze der LIQUI MOLY HBL. Vor ihm lagen jeweils nur Manuel Zehnder (277 bzw. 8,1) und Mathias Gidsel (263 bzw. 7,7). 

Besonders von der Siebenmeterlinie war Magnússon erfolgreich. 3,8 Mal traf er pro Spiel von der Linie, mehr als jeder andere Spieler der „stärksten Liga der Welt“. Zwar hatte er auch die meisten Versuche, doch mit 79,3 % traf er deutlich überdurchschnittlich gut, lediglich fünf Spieler mit mindestens einem Siebenmeterwurf pro Spiel kamen auf eine höhere Quote. 

Da Claar, Saugstrup und Magnússon wie auch viele weitere Leistungsträger auch die kommenden Jahre beim SCM unter Vertrag stehen, dürften sie auch in Zukunft weiter auf Rekord- und Titeljagd gehen. Denn Trainer und Geschäftsführer Sport Bennet Wiegert hat einen Kader zusammengestellt, der optimal auf seinen Spielstil passt. Der SCM ist durch seine zahlreichen Erfolge ohne Zweifel zur Benchmark geworden.  

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Foto: Klahn