14.05.2024  LIQUI MOLY HBL

ÜberZahl – Die Zahlenkolumne: Die Most Improved Player 2023/24

Bereits in den letzten beiden Saisons wurde an dieser Stelle analog zur NBA Kandidaten für den meistverbesserten Spieler, den „Most Improved Player“ der LIQUI MOLY HBL (2021/22, 2022/23), vorgestellt. In der neuen Ausgabe von „ÜberZahl“ analysiert Datenanalyst Julian Rux, welche vier Spieler in der aktuellen Saison die Top-Kandidaten auf diesen Award wären.

Wie in den Vorjahren gibt es drei Regeln, damit die Kandidaten für den „Most Improved Player“ der LIQUI MOLY HBL fair bestimmt werden können:  

1. Es muss eine deutliche Verbesserung in den Statistiken des Spielers im Vergleich zur Saison 2022/23 geben. 
2. Hauptgrund für die verbesserten Durchschnittswerte dürfen nicht nur gestiegene Spielzeit oder wenig gespielte Spiele sein. 
3. Der Spieler darf nicht schon früher auf ähnlichem Niveau wie aktuell gespielt haben. 

Aufgrund dieser Kriterien wurden unter anderem Franz Semper (+2,9 Tore pro Spiel, hatte aber früher in Leipzig bereits ähnliche Statistiken), Milos Vujovic (+2,6 Tore, aber +2,3 davon durch Siebenmeter und leicht schwächere Wurfquoten) sowie Lukas Laube (+3,4 Tore, aber zu wenige Spiele) nicht berücksichtigt. 

Manuel Zehnder 

Der wohl offensichtlichste Kandidat auf den „Most Improved Player“ ist der aktuell zweitplatzierte der Torschützenliste, Manuel Zehnder. In der vergangenen Saison kam der 24-Jährige beim HC Erlangen nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Pro Partie stand er nur 8,5 Minuten auf dem Feld und seine offensive Verantwortung lag lediglich bei 6,7 % (beendete Angriffe seines Teams durch einen Wurf aus dem Feld, herausgeholte Siebenmeter oder Ballverlust). In Eisenach sind es nun 38,9 Minuten und 23,9 %. Letzteres ist der dritthöchste Wert der Liga. 

Dass der ThSV Eisenach kurz davorsteht, den Klassenerhalt in der LIQUI MLY HBL zu feiern, haben die Thüringer zu großen Teilen ihrem schweizer Spielmacher zu verdanken. Denn während Zehnder in der Verteidigung nur selten auf dem Feld steht, ist es die von ihm angeführte Offensive, die maßgeblich für den Eisenacher Erfolg ist. Mit 28.9 Gegentoren pro 50 Ballbesitzen stellen die Wartburgstädter die drittschwächste Verteidigung der LIQUI MOLY, mit 27,2 Toren pro 50 Ballbesitze jedoch den elftbesten Angriff. 

Zehnder erzielt in der aktuellen Saison 6,5 Tore mehr pro Spiel als in der vergangenen Spielzeit und damit mehr als doppelt so viele wie der Zweitplatzierte. Davon sind zwar ein großer Teil Siebenmeter, aber auch aus dem Feld ist er mit 3,7 Toren pro Spiel der Spieler mit der deutlichsten Steigerung in Sachen erzielte Tore. 

Diese Verbesserung ist natürlich zu einem großen Teil der gestiegenen Einsatzzeit und Verantwortung zuzuschreiben. Bemerkenswert ist jedoch, dass Zehnder zudem auch seine Wurfquoten um 7,4 Prozentpunkte verbessern konnte. Zwar wurde dies auch dadurch beeinflusst, dass er in der vergangenen Saison beim HC Erlangen keine Siebenmeter warf, doch auch aus dem Feld kommt er auf 1,3 Prozentpunkte mehr als 2022/23. 

Mohamed El-Tayar 

Die aktuelle Saison läuft für den HBW Balingen-Weilstetten alles andere als gut. Besonders in der Offensive sind die „Gallier“ klar das harmloseste Team der Liga. Mit 24,5 Gegentoren pro 50 Ballbesitzen liegen sie 1,0 Tore hinter der HSG Wetzlar auf dem letzten Platz. Die Verteidigung funktioniert bei den Schwaben hingegen deutlich besser. Nur 27,8 Gegentore mussten sie pro 50 Minuten hinnehmen, der elftbeste Wert. 

Einer der Hauptgründe für die ordentlichen Defensivwerte der Balinger ist Torhüter Mohamed El-Tayar. Mit einer Paradenquote von 30,8 % liegt der Ägypter momentan ligaweit auf dem achten Rang. Bei den Siebenmetern führt er mit 29,9 % entschärften Strafwürfen sogar das Ranking an. 

Ähnlich wie Zehnder profitiert auch El-Tayar davon, nun die klare Nummer eins auf seiner Position zu sein. Im Vorjahr stand er beim SC DHfK Leipzig noch lediglich 16,2 Minuten pro Spiel auf dem Feld, beim HBW sind es nun 41,7. Durch das Vertrauen seiner Trainer und das dadurch gewonnene Selbstvertrauen konnte er seine gesamte Paradenquote um 3,6 Prozentpunkte steigern, so deutlich wie kein anderer Torhüter. Bei den Siebenmetern sind es sogar 13,2 Prozentpunkte. 

Max Häfner 

Der Königstransfer des TVB Stuttgart war im Sommer Kai Häfner. Der Nationalspieler und Europameister von 2016 wurde auch direkt zum wichtigsten Spieler der Bittenfelder. Mit 5,5 Toren pro Spiel ist er der beste Torschütze seines Teams. Dazu spielte seit der Ankunft des Linkshänders auch sein sieben Jahre jüngerer Bruder Max – bis zu seinem Kreuzbandriss im Februar - die beste Saison seiner Karriere. 

In seiner siebten Saison in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs legte der 27-Jährige Bestwerte bei den Toren pro Spiel (3,2, bisheriger Bestwert: 2,4 in der Saison 2020/21) wie auch der Feldwurfquote (62,7 %, bisheriger Bestwert: 58,2 % in der Saison 2018/19) auf. Letzteres ist der achtbeste Wert unter allen 43 Rückraumspielern mit mindestens fünf Feldwürfen pro Spiel. 

Grund dafür ist, dass er sich weniger auf den Distanzwurf verlässt als im Vorjahr. Dort schloss er noch durchschnittlich aus 8,1 Metern im Positionsangriff ab (Platz 28 unter 81 Rückraumspielen mit mindestens 100 Feldwürfen), wobei 53,7 % seiner Würfe aus mehr als 8,5 Metern kamen (20.). In der aktuellen Saison waren es nur noch 7,8 Meter (Rang 45 unter 67 Rückraumspielern mit mindestens 100 Feldwürfen) und 40,6 % (42.). 

Mathias Gidsel 

Der letzte Name auf dieser Liste ist wahrscheinlich der überraschendste. Denn Mathias Gidsel spielte bereits in der vergangenen Saison eine herausragende Spielzeit. Der Däne zeigte bereits in seiner ersten Saison in der LIQUI MOLY HBL eine MVP-würdige Leistung. Mit 5,1 Toren pro Spiel war er der zwölftbeste Scorer insgesamt sowie der zweitbeste aus dem Feld. 

In der aktuellen Saison steigerte er sich aber noch einmal deutlich. Mit 248 Toren, darunter kein einziger Siebenmeter, führt er aktuell die Torschützenliste sogar an und hat damit trotz noch drei fehlenden Spielen bereits den Rekord der Feldtore in einer Saison von Kyung-shin Yoon eingestellt. Auch pro Spiel ist er mit 8,0 Toren die Nummer eins, bei den Feldtoren sogar mit einem Abstand von 1,5 auf den Zweitplatzierten, seinen Teamkollegen Lasse Andersson. 

Nach seiner Debütsaison in der stärksten Liga der Welt hat sich der Däne nun akklimatisiert und Jaron Siewert weiß, wie er seinen Linkshänder optimal einsetzt. Der Abgang von Jacob Holm im vergangenen Sommer sowie die Verletzungen von Fabian Wiede und Paul Drux führten dazu, dass Gidsel noch einmal mehr Verantwortung im Berliner Angriff übernehmen musste.  

Bereits in der vergangenen Saison lag seine offensive Verantwortung bei 19,0 %, was der Höchstwert seiner Mannschaft sowie ligaweit der dritthöchste Wert war. In der aktuellen Saison beendet er mit 27,5 % noch einmal deutlich mehr Angriffe seines Teams, womit er auch die Liga anführt. 

Während mit der gestiegenen Verantwortung auch die Anzahl der durch ihn verursachten Ballverluste von 1,9 pro Spiel auf 2,7 angestiegen ist, konnte er seine Wurfeffizienz sogar verbessern. Die Steigerung von 67,8 % auf 72,4 % schaffte er, indem er noch häufiger aus der Nahdistanz abschloss. Nur noch 23,0 % seiner Abschlüsse kommen aus mehr als 8,5 Metern, nachdem es im Vorjahr noch 27,7 % waren. Unter den 30 besten Feldtorschützen hat lediglich Kreisläufer Jannik Kohlbacher mit 74,1 % (Platz 13) eine bessere Feldwurfquote. 

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Foto: Klahn