14.10.2023  2. HBL

Verfolger Potsdam und Lübbecke trennen sich Unentschieden

Im Verfolger-Duell des Tabellendritten und -vierten gab es keinen Sieger. Der VfL Potsdam und der TuS N-Lübbecke trennten sich 29:29-Unentschieden (12:13). Drei Sekunden vor Schluss war es Marek Nissen von den Gästen, der zum 29. Ausgleichstreffer einnetzte. Erfolgreichster Torschütze des Spiels war Max Beneke mit elf Toren,

Es war von der ersten Spielminute klar zu spüren, dass sich zwei Mannschaften auf Augenhöhe gegenüberstanden. Max Beneke brachte die Adler in der zweiten Spielminute nach verwandeltem Siebenmeter in Führung. Die leicht hektische Anfangsphase war von Ballverlusten und Fehlwürfen auf beiden Seiten gekennzeichnet, wobei keiner die Fehler des anderen zu nutzen wusste. Nachdem die Nettelstedter mit 3:4 führten, nahm Bob Hanning seine erste Auszeit (8‘).

Mit Ausnahme der Verletzten Mark Ferjan und Marcel Nowak trat der VfL in Bestbesetzung an, und selbst Max Beneke, der am Donnerstag noch mit den Füchsen im Einsatz war, stand zum dritten Mal in dieser Woche bei einem Spiel auf der Platte. Auch die Gäste gingen bis auf Yannick Dräger in Bestbesetzung an den Start.

Die Adler spielten jetzt deutlich konzentrierter und übernahmen nach Toren von Nils Fuhrmann, Max Beneke und Moritz Sauter wieder selbst mit 6:5 die Führung und zwangen Gästecoach Michael Haaß in eine Auszeit (16‘). Potsdams Neuzugang Marko Katic erzielte kurz darauf seinen ersten Treffer in der 2. Handball-Bundesliga zum 7:6. Anschließend ging es spielfreudig auf beiden Seiten hin und her, wobei sich kein Team absetzen konnten. Mit der Halbzeitsirene hätte Max Beneke per Freiwurf noch den Ausgleich erzielen können, warf aber knapp übers Tor, sodass es mit 12:13 in die Pause ging.

Beide Teams kamen hochmotiviert aus der Kabine. Nachdem der erste Treffer durch Jo Gerrit Genz zunächst aufs Konto der Lübbecker ging, glichen die Adler durch Tore von Kapitän Karl Roosna und Josip Simic zunächst aus und gingen dann durch Moritz Sauter erstmals wieder selbst 15:14 in Führung (35‘).

Unter den 1120 Zuschauern in der MBS Arena waren auch etwa Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aus dem gesamten Land Brandenburg und ca. 50 Trainerinnen und Trainer, die an einem Workshop teilnahmen, der nicht umsonst unter dem Motto „gemeinsam statt einsam“ stand. Beide Parteien sahen live auf der Tribüne einige hitzige Spielsituationen, über die sie sich im Anschluss noch fachkundig austauschten.

Ab der 40. Spielminute saßen mit Dominik Ebner, Sven Wesseling und Tin Kontrec gleich drei Nesselstedter mit Zeitstrafen auf der Bank. Da die Adler die Phase lediglich zum 18:18-Ausgleich nutzten, schwor Bob Hanning in einer Auszeit (43‘) seine Jungs auf die Schlussviertelstunde ein. Direkt im Anschluss wurde Max Beneke für zwei Minuten auf die Bank verwiesen. Tom Skroblien traf erfolgreich vom Siebenmeterpunkt, und die Gäste nutzten das Überzahlspiel, um sich mit drei Toren abzusetzen.

Beim Spielstand von 22:25 nahm Bob Hanning eine Auszeit (50‘), um seine Jungs für die spannende Crunchtime zu motivieren. Auch wenn die Adler nach dem letzten Spieltag deutlich weniger Regenerationszeit hatten als ihre Gegner, war von Müdigkeit nichts zu spüren. Josip Simic und Max Beneke schafften mit ihren Toren wieder den Anschluss, aber Lübbecke lag bis zur 55. Spielminute weiter in Führung, ehe Josip Simic den 27:27-Ausgleich erzielte. Die Zuschauer in der Halle hielt es nicht mehr auf ihren Sitzen. 30 Sekunden vor Schluss netzte Moritz Sauter zum 29:28 ein. Direkt im Anschluss nahm Michael Haaß vom TuS N-Lübbecke seine letzte Auszeit. Mit ihrer ganzen Routine spielte sein Team den letzten Angriff erfolgreich zu Ende und Marek Nissen traf zum 29:29 Unentschieden.

Stimmen zum Spiel:

Max Beneke, 1. VfL Potsdam: „Ich bin nach den drei Spielen in dieser Woche schon ganz schön k. O. Man hat gemerkt, dass es vorne und hinten über 60 Minuten nicht mehr ging, deshalb hat Bob mir hinten auch ein bisschen Pause gegeben. Ich denke wir haben heute zu viele technische Fehler vorne gemacht, aber wir haben den Mut und den Kopf oben behalten und uns bis zum Ende wieder rangekämpft, auch wenn wir schon drei Tore zurücklagen. Das zeigt, dass wir eine tolle Truppe sind und über 60 Minuten immer weiterkämpfen, um hier die Punkte zu halten.“

Nils Fuhrmann, 1. VfL Potsdam: „Ich finde schon, dass es ein gerechtes Unentschieden war. Wir haben uns beide nicht viel genommen, was Fehlwürfe und technische Fehler angeht. Das war ziemlich ausgeglichen. Ein paar technische Fehler weniger und das gewisse Quäntchen Glück im Abschluss hätten vielleicht zum Sieg gereicht. Wir werden das Spiel nochmal genau analysieren und uns ab Mittwoch auf den nächsten Gegner vorbereiten.“

Michael Haaß, Trainer TuS-N Lübbecke: „Zuallererst muss ich was sagen, was ich mir in der 40. Minute schon vorgenommen hatte, zu sagen, unabhängig vom Spielausgang: Ich fand, dass es unabhängig von den Fehlern auf beiden Seiten ein unfassbar intensives und hochklassiges Zweitligaspiel war. Das hat selbst von der Bank Spaß gemacht, zuzuschauen. Beide Mannschaften haben heute vorne und hinten richtig was gezeigt. Natürlich kann man über die Fehlerzahl auf beiden Seiten streiten, aber mit dem Punkt müssen wir am Ende leben, auch wenn wir das ganze Spiel über eher am Drücker waren. Ich bin mit dem Auftritt meiner Mannschaft sehr zufrieden. Sie haben unfassbar intensiv gedeckt, auch in Unterzahl ganz gut verteidigt, viele Ballgewinne provoziert und auch vorne sehr klug gespielt. Es gab ein unfassbar hohes Tempo auf beiden Seiten. Ich ärgere mich ein bisschen über die hohe Anzahl von Fehlern bei uns, auch über die vergebene Führung. Das ging zu schnell von plus drei auf minus eins. Ich glaube, dass wir Potsdam sehr zu Fehler gezwungen haben und die meisten unserer Fehler leider meist selbst verschuldet haben. Das tut ein bisschen weh. Deshalb waren wir lange Zeit näher an zwei Punkten als an einem, aber nach dem Spiel ist es definitiv gerecht.“

Bob Hanning, Trainer 1. VfL Potsdam: „Es war ein unfassbar intensives, tolles Handballspiel. Natürlich ist die Situation so, dass du sagst, wenn du mit dreien zehn Minuten vor Schluss führst und das Gefühl hast, das Ding kippt jetzt auf deine Seite, und wir wiederum wollen, wenn du noch zehn Sekunden zu spielen hast, auf gar keinen Fall das Tor für den Ausgleich kassieren. Und trotzdem ist es das absolut richtige Ergebnis für dieses Spiel. Es war ein intensives Handballspiel mit ganz viel Leidenschaft. Wir sind zurückgekommen, nachdem wir eigentlich tot waren. Es ging dann sehr schnell, die Torhüter haben wechselseitig gehalten. Wir haben alles investiert, was wir investieren konnten. Wir haben in Elbflorenz verloren, und ich war nicht zufrieden, und wir haben schon Spiele gewonnen, und ich war nicht zufrieden. Mit dem Spiel heute bin ich echt zufrieden!“

Quelle: 1. VfL Potsdam / Foto: Goeres