01.06.2021  REWE Final4

TSV Hannover-Burgdorf: Toptalente aus der Reckenschmiede

Es ist schwer in diesen Tagen, eine sportliche Erfolgsgeschichte mit Verweis auf das vorbildliche Tun des FC Schalke 04 zu erklären. Schalke? Vorbild? Bundesliga-Absteiger Schalke war in den vergangenen Monaten der Inbegriff sportlichen Versagens. Doch im Bemühen um die Rückbesinnung auf Gutes rückt ein Schalker Erfolgsmodell in den Vordergrund: die Knappenschmiede.

Sie ist eine der besten Jugendfußball-Abteilungen Europas. Superstars wie Manuel Neuer, Leroy Sané und Mesut Özil wurden dort geformt.

„Bei uns heißt das Reckenschmiede“, sagt Sven-Sören Christophersen, der Sportchef der „Recken“. Die „Reckenschmiede“ ist der Talentepool der TSV. Hannover ist auch wegen dieser guten, nachhaltigen Arbeit an der Basis zu einem etablierten und ambitionierten Handball-Standort in Deutschland geworden. Das Prinzip „Jugend forsch“ ist in der Vereins-DNA fest verankert.

„Unsere Mischung zwischen Talenten und arrivierten Kräften ist sicher ein Teil unseres Erfolges“, sagt Christophersen. Messbar ist der Erfolg auch daran, dass es der Verein zum dritten Mal in Folge ins REWE Final4 geschafft hat. Und man kann ohne Übertreibung sagen: kein anderer Klub hatte dafür so hohe Hürden zu nehmen. Hannover bezwang erst im Achtelfinale die Rhein-Neckar Löwen mit 31:30. Eine faustdicke Überraschung. Aber der 26:20-Erfolg im Viertelfinale gegen die SG Flensburg-Handewitt war geradezu eine Sensation.

Natürlich war das Team bei diesen Triumphen noch ein anderes. Corona lässt ja bekanntlich die Pokalsieger-Krönung erst mit einem Jahr Verzögerung zu. So wurde vor allem Rechtsaußen Timo Kastening in Hannover zum Handball-Superstar. Doch der spielt nun beim Halbfinal-Gegner MT Melsungen.

Die MT Melsungen, die das letzte Punktspiel gegen Hannover gleichwohl Ende Februar mit 23:31 deutlich verlor. „Hannover war sehr stark“, lobte Kastening hernach sein Ex-Team. Auch das belegt: Hannover ist beim REWE Final4 2020 definitiv nicht zu unterschätzen.

Das spanische Trainerteam Carlos Ortega und Iker Romero hat ein schlagkräftiges, planvoll und selbstbewusst agierendes Team geformt. Im TSV-Trikot überzeugen „Schmiede“-Talente wie Vincent Büchner (22), Jannes Krone (24), Veit Mävers (22) neben Routiniers wie Evgeni Pevnov (32), Fabian Böhm (31) und Ilija Brozovic (29). Ein zentraler Schlüsselspieler ist der Kroate Ivan Martinovic (23). Ihn zieht es 2022 auch nach Melsungen. Wie vor ihm bereits Kastening und Kai Häfner. Auch das macht das Halbfinale zwischen Hannover und Melsungen natürlich zu einem besonderen Spiel. Zumal beide Klubs von ihrem ersten Titel träumen.

Hannovers Trainer Carlos Ortega (49) verkörperte als Spieler ebenso Weltklasse wie als Trainer. Daher lockte ihn vor dem REWE Final4 der FC Barcelona zurück in seine spanische Heimat. Sein Landsmann und Co-Trainer Iker Romero verlässt Hannover, tritt beim Zweitligisten SG BBM Bietigheim seine erste Rolle als Cheftrainer an. Kurzum: Nach dem REWE Final4 steht in Hannover wohl ein erstklassiger Neustart an.

Davon kann Schalke nur träumen.

Foto: Oliver Vosshage