07.11.2019  LIQUI MOLY HBL

Löwen wollen im Topspiel gegen die Zebras punkten

Kurz nach der Niederlage bei den Füchsen Berlin am vergangenen Sonntag, steht für die Rhein-Neckar Löwen bereits die nächste Aufgabe an: der THW Kiel kommt in die SAP-Arena. Die Zebras werden mit viel Selbstbewusstsein anreisen, haben sie doch die deutlich bessere Ausgangslage in der LIQUI MOLY HBL. Oliver Roggisch weiß um die aktuelle Situation seiner Löwen, beschwört vor dem Spitzenspiel aber den Teamgeist der Mannschaft: "Besser, wir schauen nicht auf die Tabelle." Anpfiff ist um 19 Uhr, Sky überträgt die Partie live.

Die Aufarbeitung war genauso ehrlich wie notwendig. Nach dem 22:23 (10:12) am Sonntag bei den Füchsen Berlin steckten die Rhein-Neckar Löwen die Köpfe zusammen. Woran liegt es, dass man in engen Spielen immer wieder wichtige Punkte liegenlässt? Und das alles, nachdem man in Magdeburg gezeigt hat, dass es speziell auswärts auch ganz anders gehen kann. Dabei ist die Zeit zur Analyse natürlicherweise begrenzt. Der Spielplan sieht es vor, dass bereits an diesem Donnerstag die nächste Hammeraufgabe auf die Löwen wartet. Es kommt der THW Kiel nach Mannheim in die SAP Arena. Spitzenspiel zur besten Abendzeit. Ausverkaufte Arena. Alles ist bereitet für großen Handballsport. Wenn da nicht die Ausgangslage wäre. Aus den letzten fünf Liga-Spielen haben die Löwen nur einen Sieg geholt und dabei genau die sechs Punkte auf Kiel eingebüßt, die aktuell in der Tabelle zwischen THW als Zweitem (16:2 Punkte) und RNL als Sechsten (14:8) liegen.

„Besser, wir schauen momentan nicht auf die Tabelle, sondern darauf, dass wir unser Spiel ins Laufen bekommen“, sagt Oliver Roggisch. Der Sportliche Leiter der Rhein-Neckar Löwen bemängelt vor allem die mangelnde Stabilität. „Wir hatten schon starke Spiele in der Abwehr, dann wieder welche im Angriff. Aber noch nicht häufig beides zusammen. Und wenn wir gegen Kiel etwas holen wollen, muss alles perfekt laufen. Klar ist: Wir können Kiel schlagen, brauchen dafür aber eine komplette Leistung.“ Kritik am Trainer, die bereits zu diesem frühen Saisonzeitpunkt von außen vorgetragen wird, lässt Oli Roggisch nicht gelten. „Prozesse wie die Integration von neuen Spielern oder gar eines neuen Trainers dauern ganz einfach. Ich sehe ja, wie Kristjan tagtäglich arbeitet und kann sagen, dass er eine super Arbeit abliefert. Es ist ja auch nicht so, dass wir meilenweit von dem entfernt sind, was wir zeigen wollen. Es sind Kleinigkeiten. Jeder leistet sich momentan zu viele Fehler.“

Das komplette Gegenteil ist derzeit beim THW Kiel zu bestaunen. Da spielt eine Mannschaft, die sich in den vergangenen Jahren gefunden und eingespielt hat. Und die jetzt zeigt, welchen Wettbewerbsvorteil sie sich dadurch erarbeitet hat. „Der THW hat alle seine Spieler ins Laufen gebracht – dafür aber auch viel Zeit gebraucht. Jetzt sieht man, was geht, wenn man als Mannschaft funktioniert. Die Abwehr steht, die Torhüter spielen stark und vorne haben sie fünf, sechs Jungs, die immer torgefährlich sind,“ sagt Oliver Roggisch – ohne die eigenen Jungs aus der Pflicht zu nehmen.

Zur Aufgabe der Löwen am Donnerstag sagt der Sportliche Leiter: „Wir spielen zuhause, die SAP Arena ist ausverkauft. Wir wollen gewinnen! Dafür müssen wir alles investieren und brauchen unsere Fans im Rücken.“ Ob sich die Spielweise unter Filip Jicha noch einmal verändert habe bei den Kielern? „Das glaube ich nicht. Was er geschafft hat, ist, viel frische Energie in die Mannschaft zu bringen. Natürlich schadet es auch nicht, auf den Innenblock der Nationalmannschaft zurückzugreifen.“

Schaut man sich die Einzelspieler auf der Platte an, kann man als Handball-Fan – unabhängig von der aktuellen Form der Spieler – nur ins Schwärmen geraten. So treffen im Zentrum Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek auf Andy Schmid und Jannik Kohlbacher. Auf der Gegenseite bekommt es der Löwen-Innenblock aus Ilija Abutovic, Jesper Nielsen und Gedeón Guardiola mit Domagoj Duvnjak, Miha Zarabec, Lukas Nilsson sowie der Kombo Wiencek/Pekeler zu tun. Absolute Spitzenklasse, wenn nicht Weltklasse, wohin das Auge blickt. Dasselbe gilt für die Torwartpositionen und die Außen. Wenn überhaupt, dann fällt aktuell der Löwen-Rückraum ein wenig ab im Vergleich zur THW-Konkurrenz, wo Ex-Löwe Harald Reinkind aktuell so richtig auftrumpft. Sportlich betrachtet sollten die Gelben ihrem ehemaligen Kameraden nicht gerade den roten Teppich ausrollen. Sicher ist: Verlieren die Löwen diese Partie, wird Kiel in dieser Saison wohl kaum mehr einzuholen sein.

Foto: Binder

Quelle: Rhein-Neckar Löwen