15.03.2019  Liqui Moly HBL

Kieler müssen sich mächtig strecken für den Sieg

Am Donnerstagabend holten sich die Norddeutschen aus Kiel im Spiel gegen den SC DHfK Leipzig zwei wichtige Punkte und gewann am Ende mit 27:22. Es war vor allem in der ersten Hälfte ein Spiel auf Augenhöhe und keines der Teams konnte sich entscheidend absetzten. Leipzig hielt sich lange an den Matchplan von Trainer Andre Haber und stellte den THW so vor große Probleme. Schlussendlich machten Andi Wolff im Tor und Miha Zarabec im Angriff den Unterschied und somit den Sieg klar.

Eine Überraschung gab es schon vor dem Anpfiff beim Blick auf die Aufstellungen: Leipzig hatte auf den Einsatz von Franz Semper und Lukas Binder verzichtet, die aus disziplinarischen Gründen den Weg an die Förde nicht mit antreten durften. Und trotzdem gehörten die ersten Minuten den Leipzigern, die bis zum Doppelschlag von Ekberg zum 4:3 stets in Führung gelegen hatten. Nach dem Siebenmeter-Tor des Schweden passte bei den Kielern satte elf Minuten lang nicht mehr viel zueinander. Zwar parierte Andreas Wolff spektakulär gegen Esche und Pieczkowski, doch die daraus resultierenden Ballgewinne verpufften angesichts einer hohen Fehlerquote und einem ebenfalls gut aufgelegten Milos Putera im Kasen der Messestädter. Die suchten ihr heil in unglaublich lange vorgetragenen Angriffen und hatten damit Erfolg: Nach zum Teil minutenlangen Defensiv-Aufgaben fehlte den Zebras am Ende oft die Geduld. Die Folge war eine Leipziger 7:4-Führung nach Puteras Einwurf-Tor in der 19. Minute.

Erst in der 20. Minute gelang dem THW Kiel wieder ein Treffer: Steffen Weinhold, mit vier Toren in der ersten Hälfte und kraftvollen Aktionen ein Aktivposten, hatte sich durchgetankt, war dabei gefoult worden. Die Folge: Für 1:38 Minute spielten die Kieler in doppelter Überzahl. Allerdings: Weil die Passiv-Spiel-Regelung weiterhin sehr großzügig ausgelegt wurde, kamen sie in dieser Zeit genau einmal in Ballbesitz. Putera entschärfte einen Gegenstoß von Pekeler - das war's in Überzahl, und weil kurz darauf Nikola Bilyk für zwei Minuten runter musste, ging es für den THW nun in Unterzahl weiter. Und in dieser fanden sie, angekurbelt von dem nach 19 Minuten gekommenen Miha Zarabec, die Lücke: Magnus Landin traf zum 6:7, Weinhold zum Ausgleich. Da waren bereits 24 Minuten absolviert, Leipzig konterte, aber Pekeler und Bilyk nutzten eine weitere Überzahl zur 9:8-Führung für den THW. Diese hielt bis zur Pause aber nicht Stand, weil Putera Weinholds finalen Wurf vor der Sirene entschärfen konnte. 10:10 beim Seitenwechsel - ein Resultat, das sich ein wenig wie Handball-Steinzeit anfühlte.

Im zweiten Durchgang wollten die Kieler mehr Schwung in ihren eigenen Angriff bekommen - und sich den Zeitlupen-Offensivaktionen der Leipziger mit etwas mehr Vehemenz und Konsequenz entgegen stellen. Das fruchtete zunächst gut: Ekberg traf zum 11:10, kurz darauf klaute Duvnjak den Ball und schickte Ekberg zum 12:10-Gegenstoß. Nach einem Wiencek-Steal und Landin-Konter führten die Zebras beim 15:12 (35.) erstmals mit drei Toren in dieser Begegnung, die nun phasenweise auch Fahrt aufnahm. Und als Wiencek aus Drehung und mit einem Heber das 18:14 erzielte (39.), schienen die Schwarz-Weißen auf einem guten Weg. Auch, weil Zarabec immer wieder Lücken im ansonsten sehr beherzt zupackenden Leipziger Abwehr-Verband fand. Doch nach dem 19:15 des Slowenen riss der Faden bei den Zebras erneut: Mit einem 3:0-Lauf, begünstigt durch Putera-Paraden, kam der SC DHfK wieder auf 18:19 heran.

Jetzt ging es um jedes Tor, jede Aktion. Zarabec legte vor, Jurdzs nach. Ekberg legte vor, Esche nach. Dann wendete sich das Blatt - auch mit Andreas Wolff, der nach einer kurzen Verschnaufpause wieder in den Kieler Kasten zurückkehrte. Weinhold traf zum 22:20, Zarabec bediente Landin mit einem weiten Pass zum 23:20, Wolff hielt gegen Rojewski, Wiesmach, Janke. Bei seinem dritten Siebenmeter hatte Ekberg das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite, weil Villadsen zwar zweimal dran am Ball war, dieser aber trotzdem hinter die Linie trudelte. Zarabec legte das 25:20 nach, Wolff hielt erneut, und Ekberg schraubte mit dem folgenden Konter (26:20, 57.) den Deckel auf den Heimsieg, der am Ende noch zwei richtige Höhepunkte verbuchte: Erst traf Ekberg per feinem Dreher zum 27:22, und dann entschärfte Wolff nach dem Schlusspfiff noch einen Strafwurf von Weber absolut artistisch. Aus dem Spagat richtete sich Wolff blitzschnell wieder auf, um den hohen Wurf des Leipziger Rückraumspielers mit dem Bein abzuwehren - 10285 feierten die Zebras für hart erkämpfte, aber vollkommen verdiente zwei Punkte.

THW-Trainer Alfred Gislason: Glückwunsch an Leipzig zu diesem Spiel. Wir haben uns vor allem in der ersten Halbzeit extrem schwer getan. Gegen die langen Angriffe haben wir nicht aggressiv genug gespielt, deshalb hatte es Andi Wolff auch schwer. Gegen eine gute Leipziger Abwehr haben wir vorn behäbig agiert. Wir haben haben im Angriff keine Geduld gehabt, verlieren drei bis vier Mal den Ball beim Gegenstoß. Unser Tempospiel war in den ersten 30 Minuten sehr schlecht, und so lagen wir lange verdient mit drei Treffern zurück. Dann habe ich Miha gebracht, um mehr Bewegung und Spielfluss in die Offensive zu bekommen, das hat Miha dann stark gemacht. Wir kommen dann gut aus der Pause, stellen eine bessere Abwehr, und Andi ist in den letzten 15 Minuten auch sehr stark. Kompliment an meine Mannschaft für diese zweite Halbzeit.

Leipzigs Trainer Andre Haber: Glückwunsch an den THW Kiel zum am Schluss verdienten Sieg. Wir hatten uns vorgenommen, den Fokus auf uns zu legen. Wenn wir ein bisschen besser werfen, können wir zur Pause sogar führen. Aber das 10:10 war ein Teil-Triumph, die erste Etappe lief sehr gut für uns. Dann kommen wir nicht gut aus der Pause, schaffen es trotzdem wieder auf ein Tor heranzukommen. Gegen diese Abwehr-Qualitäten des THW Kiel, die Wucht des Kieler Angriffs und die Halle war es dann sehr schwer für uns. Trotzdem haben wir den Rückstand erträglich gehalten, aber ein knapperes Ergebnis wäre auch möglich gewesen.

Viktor Szilagyi, Sportlicher Leiter THW Kiel: Es war kein richtig gutes Spiel von uns. Leipzig hat es uns mit langen, disziplinierten Angriffen auch sehr schwer gemacht. Zudem hat es bei unserer Mannschaft ein bisschen gedauert, bis sie nach der langen, spielfreien Zeit ihren Rhythmus wiedergefunden hatte. Ich bin sehr froh über die zwei Punkte, sie waren heute das Ziel.

Leipzigs Geschäftsführer Karsten Günther: Die Vorzeichen waren heute nicht besonders gut, und nachdem bei Peiczkowski nach seinem Tor der Rücken zugemacht hatte, wurden diese nicht besser. Aber wir waren heute mit zwei A-Jugendlichen und einem U23-Spieler 50 Minuten gegen den THW Kiel auf Augenhöhe. Sie hatten sich diese Chance verdient. Bitter war es, dass wir uns von der 49. bis 53. Minute nicht mehr erholt haben. Da kam kein Impuls von Janke und Weber, von Zarabec kam er. Zu den beiden Spielern die in Leipzig geblieben sind (Binder und Semper) kann ich nur sagen, dass heute diejenigen gespielt haben, die sich professionell auf dieses Spiel vorbereitet haben. Die anderen blieben zu Hause.

THW Kiel: N. Landin (39.-47.), Wolff (1.-39., 47.-60., 13/1 Paraden); Duvnjak, Reinkind (n.e.), M. Landin (3), Firnhaber (n.e.), Weinhold (4), Wiencek (2), Ekberg (9/3), Rahmel (n.e.), Dahmke (n.e.), Zarabec (4), Bilyk (4), Pekeler (1), Nilsson; 

SC DHfK Leipzig: Putera (1.-60., 11 Paraden, 1 Tor), Villadsen (1 Siebenmeter); Wiesmach (3), Rojewski (3), Jurdzs (3), Krzikalla, Janke (1), Pieczkowski (1), Roscheck, Weber (2), Meyer-Siebert, Gebala, Milosevic (4), Esche (4), Neumann;
Schiedsrichter: Christoph Immel / Ronald Klein 

Strafzeiten: THW: 2 (Duvnjak (18.), Bilyk (21.)) / Leipzig: 6 (Rojewski (16.), Janke (20.), Milosevic (20.), Roscheck (25.), Esche (51.), Weber (54.))

Siebenmeter: THW: 3/3 / Leipzig: 1/0 (Wolff hält Weber (60.))

Spielfilm: 0:1, 1:2 (3.), 2:3, 4:3 (8.), 4:7 (19.), 7:7 (24.), 7:8, 9:8 (26.), 9:10 (28.), 10:10;
12:10 (32.), 13:12 (33.), 15:12 (35.), 16:14 (38.), 18:14 (39.), 19:15 (41.), 19:18 (45.), 21:20 (48.), 26:20 (57.), 26:22, 27:22.

Zuschauer: 10285  (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel).

Foto: Klahn/Paar

Quelle: THW