11.02.2019  Liqui Moly HBL

Magdeburg und Musche auch 2019 on fire

In der mit 6.600 Zuschauern ausverkauften GETEC Arena lieferten sich die Hausherren und die Gäste aus Melsungen in der ersten Halbzeit ein Duell auf Augenhöhe. Zwischenzeitlich konnte die MT bei den heimstarken Magdeburgern gar die Führung übernehmen. Im zweiten Spielabschnitt schaltete der SCM dann allerdings noch einmal mindestens einen Gang hoch, sodass sich der Favorit letztlich doch überzeugend durchsetzen konnte.

Wenn einer Mannschaft fast eine komplette Feldspielerriege fehlt, noch dazu eine, die man getrost als Erstbesetzung aufstellen kann, dann wird es ganz schwer, im harten Bundesligaalltag zu bestehen. Die MT Melsungen hat sich fast schon an diesen Zustand gewöhnt, muss schon seit Monaten auf eine Schar exzellenter Stammkräfte verzichten. Deshalb macht Trainer Heiko Grimm auch gar kein Aufhebens mehr darum, führt die eklatanten Dezimierungen keinesfalls als möglichen Grund für ein verlorenes Spiel an. So auch nicht nach der Niederlage am Sonntag beim SC Magdeburg. Zumal in der ersten Spielhälfte seine Crew trotz der prekären Personalsituation dem favorisierten Gastgeber in Nichts nachstand. 

Zunächst aber muss die MT einen schnellen 0:3-Rückstand nach nur gut zwei Minuten hinnehmen – verursacht von der erfolgreichen skandinavischen Triade “Damgaard – Lagergren – Pettersson”. Das Eis für die Nordhessen bricht dann kurz darauf Felix Danner mit dem Treffer zum 3:1. (3. Min.). Im Angriff sind von links nach rechts Yves Kunkel, Roman Sidorowicz, Lasse Mikkelsen, Felix Danner, Michael Müller und Tobias Reichmann aufgeboten. In der 6:0-Abwehr ersetzen Philipp Müller und Simon Birkefeldt jeweils Roman Sidorowicz und Lasse Mikkelsen, im Tor steht Nebojsa Simic.

Die Melsunger Aufholjagd ist nach acht weiteren Minuten von Erfolg gekrönt, nachdem Danner, Sidorowicz und gleich dreimal Mikkelsen getroffen haben – beim 6:6 (11.) ist alles wieder offen. Und weil kurz darauf Simic überragend gegen O’ Sullivan pariert und Sidorowicz per Sprungwurf einnetzt, dürfen sich die Rotweissen über die nicht unverdiente Führung freuen. Diese Freude hätte noch etwas länger andauern können. Denn im Folgeangriff setzt SCM-Linksaußen Musche, aktuell bester Torschütze der Liga, völlig unbedrängt einen Aufsetzerball übers MT-Tor. Auf der anderen Seite holt Danner mit einem enormen Einsatz gegen Chrapkowski einen Strafwurf heraus und schickt den Zweimeterhünen sogar auf die Strafbank. Den fälligen Siebenmeter allerdings versemmelt Reichmann, ansonsten sicherer Strafwurfschütze, im Duell mit Keeper Green. Das hätte die Zwei-Tore-Führung sein können.  

Stattdessen gleicht Kreisläufer Musa zum 7:7 aus, aber Mikkelsen kontert zum 7:8. Und wieder hat die MT die Gelegenheit, zwei vorzulegen, doch Kunkel scheitert frei nach einem Gegenstoß an Green. Und dann gibt es gleich noch zwei Geschenke für den SCM, jeweils in Form von Fehlpässen. Grund genug für Heiko Grimm, beim 9:8 das erste Timeout zu nehmen. Danach kommen Timm Schneider für Danner am Kreis und Philipp Müller für Sidorowicz auf Halblinks. Was jedoch die Hausherren nicht zu beeindrucken scheint: Musche verwandelt einen Strafwurf und Rechtsaußen Pettersson markiert das 11:8 (21.).

Die MT-Cracks schütteln sich nach diesem Drei-Tore-Rückstand nur kurz, um erneut zur Aufholjagd zu blasen. Den Anfang macht Mikkelsen und nach einem Reichmann-Doppelschlag steht es binnen zwei Minuten wieder pari-pari. Danach nutzt Magdeburg eine Melsunger Unterzahl (Birkefeldt musste für zwei Minuten raus), um wieder etwas Oberwasser zu bekommen. Aber nur kurzzeitig. Denn das Grimm-Team bleibt den Rotgrünen über 12:12 und 13:13 ebenbürtig. 

Dass der SCM zur Pause die Nase knapp mit 15:14 vorn hat, verdankt er zwei Flüchtigkeitsfehlern der MT: Danner vergibt frei vom Kreis und Sidorowicz leistet sich einen Fehlwurf aus dem Rückraum. In beiden Fällen kassieren die Gäste jeweils prompt einen Gegentreffer, wobei Christiansen nur noch ins verwaiste MT-Gehäuse treffen muss. Klasse dann aber wiederum das anschließende Anspiel von Michael Müller an den Kreis zu Felix Danner, das dieser zum 15:14-Anschluss nutzen kann. So geht es in die Halbzeitpause.

Zum zweiten Durchgang schickt Heiko Grimm zunächst die gleiche Formation aufs Feld wie zu Beginn des Spiels – mit Ausnahme der Torhüterposition: Hier behält der schon in der 21. Minute gekommene Sjöstrand seinen Posten inne. Die MT gerät schnell mit 14:17 in Rückstand. Vorne ist es wie verhext: Sidorowicz trifft erst nur den Pfosten und im Folgeangriff verhindert das Lattenkreuz einen möglichen Treffer. Beim dritten Versuch endlich der Erfolg, der Schweizer trifft zum 17:15. Zwischen der 33. und der 36. Spielminute fallen drei Tore, zwei für den SCM (Bezjak und Musche) und eins für die MT (Birkefeldt), damit steht es 19:16.

Mit einem 3:0-Lauf schaffen es dann die Bördeländer, sich erstmals auf sechs Tore abzusetzen (22:16, 44. Min.). Im Nachhinein muss man eingestehen, dass damit eine Vorentscheidung gefallen war. Auch hier hatte die MT mit einigen unglücklichen Szenen die Hausherren in Vorhand gebracht: ein Pfostentreffer, ein Ballverlust, eine freistehend vergebene Chance. Beim Timeout versucht Heiko Grimm seine Schützlinge noch einmal zu justieren: “Wir brauchen mehr Einsatz beim Torwurf, müssen uns im Angriff richtig reinschmeissen und nicht aus Halbchancen werfen”, übertragen die SKY-Mikrofone die Anweisungen des MT-Coaches.

Am Willen, dies umzusetzen, mangelt es keinesfalls, wie außer Lasse Mikkelsen auch die inzwischen eingewechselten Youngster Fin Backs und Dimitri Ignatow zeigen. Aber spätestens als die Gastgeber gut vier Minuten vor Schluss mit sechs Toren führen, ist wohl allen Beteiligten klar, wer die Halle als Sieger verlassen würde.

Heiko Grimm: Eigentlich haben wir das Spiel in der ersten Halbzeit verloren. Hier hatten wir die Chance, mit drei  Toren zu unseren Gunsten in die Pause zu gehen. Dann hätte das Spiel womöglich einen anderen Verlauf genommen. Wir haben  über weite Strecken gut gespielt und ordentlich dagegen gehalten. Leider haben wir sehr viele freie Bälle verworfen. So müssen wir die Niederlage akzeptieren, wenngleich sie mit acht Toren etwas zu hoch ausgefallen ist. Ich habe jetzt so kurz nach dem Schlusspfiff das Spiel schon beinahe abgehakt. Wir schauen jetzt auf unseren Heimauftritt gegen Bietigheim, um es da dann besser zu machen.

Bennet Wiegert: Auch wenn wir in der zweiten Halbzeit einige Vorsprünge hatten, fand ich die gar nicht so sehr viel besser als die erste. Dort haben wir zum Beispiel sehr gut in der Abwehr gestanden. Wir haben insgesamt im Verlauf des Spiels nicht viel geändert, sondern unser Ding einfach durchgezogen.

SC Magdeburg: Green (1.-60 Min.; 16 P. / 24 G.), Quenstedt (bei einem Siebenmeter, 0 P. / 1 G.) – Musa 2, Chrapkowski, Musche 10/5, Kluge, Pettersson 2, de la Pena Morales, Plaza Jimenez, Molina, Christiansen 1, Mertens 2, Lagergren 3, O’Sullivan 1, Bezjak 2, Weber 2, Damgaard 7 – Trainer Bennet Wiegert

MT Melsungen: Simic (1.-20. Min.; 3 Paraden / 11 Gegentore), Sjöstrand (21.-60. Min.; 7 P. / 17 G.) – Reichmann 2, Ignatow 1, Kunkel 2, Mikkelsen 10/2, Danner 3, P. Müller, Schneider, Birkefeldt 1, M. Müller, Sidorowicz 4, Backs 1 – Trainer Heiko Grimm
 
Schiedsrichter: Martin Thöne / Marijo Zupanovic (Lilienthal / Berlin)

Zeitstrafen: 4 – 8 Minuten (Chrapkowski,  Molina – P. Müller, 2x Birkefeldt, Sidorowicz)

Strafwürfe: 5/5 – 2/3 (Reichmann scheitert an Green, 12:31 Min.)
 
Zuschauer: 6.600 (ausverkauft), GETEC Arena, Magdeburg

Quelle: MT Melsungen

Foto: Popova