09.02.2019  Liqui Moly HBL

Rhein-Neckar Löwen empfangen Bergischen HC - Roggisch fordert Geschlossenheit

Neustart, Teil zwei: Nach dem missglückten Wiedereinstieg in die Champions League am Mittwochabend und der verdienten 27:30-Niederlage gegen Vardar Skopje wollen es die Rhein-Neckar Löwen am Samstag bessermachen. Im „Löwen-Duell“ mit dem Bergischen HC geht es ab 20.30 Uhr darum, sich weiter in der Spitzengruppe der DKB Handball-Bundesliga zu behaupten – und das in erster Linie mit einer klaren Leistungssteigerung.

Am heutigen Samstag nach dem enttäuschenden Auftritt in der Königsklasse hat Oliver Roggisch schon wieder den Blick nach vorne gerichtet. Dramatisieren wollte er die tatsächlich dürftige Leistung seiner Mannschaft nicht. „Es war sicher auch ein wenig unglücklich, dass wir es nach der Pause direkt mit einer europäischen Top-Mannschaft zu tun bekommen haben. Eine Ausrede darf das allerdings nicht sein und ich hoffe, dass dies der Warnschuss war, den wir gebraucht haben“, sagte der Sportlicher Leiter der Löwen am Donnerstagmorgen vor dem Training. Seine Ansage für die Einheit und das Spiel am Samstag: „Wir müssen uns alle steigern, vor allem, was die Intensität in unserem Spiel angeht.“ In dieser Hinsicht erwartet die Löwen nämlich eine außerordentliche Herausforderung.

„Der BHC spielt mit großer Leidenschaft, mit vielen Emotionen. Die Abwehr ist beweglich, dort wird füreinander gekämpft“, beschreibt Oliver Roggisch die große Stärke des Gegners und gibt seiner Truppe mit auf den Weg: „Das müssen wir genauso bringen.“ Warum es nicht schon gegen Skopje geklappt hat mit der 100-prozentigen Kampfbereitschaft, das kann sich der erfahrene Handball-Fachmann nur so erklären: „Nach der WM-Pause hatten wir gerade einmal zwei Trainingseinheiten. Da fällt es einem nicht leicht, von der Nationalmannschaft auf den Verein umzuschalten – das weiß ich aus eigener Erfahrung.“ Vor der Partie hatte Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann die WM-Fahrer inklusive der dänischen Weltmeister Nikolaj Jacobsen und Mads Mensah sowie Hallensprecher Kevin Gerwin geehrt, Letzterer hatte sich als Hallensprecher der deutschen Nationalmannschaft um die gigantische Stimmung bei den Deutschland-Spielen besonders verdient gemacht. Um nun den Schalter umzulegen auf die Löwen, kommt den beiden Trainingseinheiten vor dem Heimspiel am Samstag besondere Bedeutung zu. Die „Hausaufgabe“ lautet dann, wie Oli Roggisch betont: „Füreinander kämpfen, wieder eine Einheit bilden. Abwehr ist harte Arbeit. Und die müssen wir wieder zu leisten bereit sein.“

Verzichten müssen die Rhein-Neckar Löwen dabei weiterhin auf das Duo Steffen Fäth / Jesper Nielsen. Den Bergischen Löwen fällt definitiv der langzeitverletzte Maciej Majdzinski (Kreuzbandriss) aus. Ob die im Genesungsprozess befindlichen Daniel Fontaine und Csaba Szücs spielen können, ist eher unwahrscheinlich. Das Quartett Linus Arnesson, Jeffrey Boomhouwer, Arnor Gunnarsson und Leos Petrovsky wird hingegen sicher auf die Zähne beißen. Alle vier klagen über Blessuren, sind für den eher dünn besetzten BHC-Kader aber praktisch unverzichtbar – insbesondere Spielmacher Arnesson und Top-Torschütze Gunnarsson. Die Truppe von Trainer Sebastian Hinze hatte sich mit einem Sieg gegen Hannover (25:22) in die Winterpause verabschiedet – und für den Neustart ein klares Ziel.

BHC will beste Bundesliga-Saison seiner jungen Geschichte spielen

Der BHC spielt eine tolle Saison. 2018/19 soll die beste Bundesliga-Saison des BHC werden. Der 2006 aus einer Teil-Fusion von SG Solingen und LTV Wuppertal entstandene Verein will die bisher erfolgreichsten Spielzeiten von 2014/15 (28 Punkte) und 2015/16 (12. Platz) toppen, hat mit aktuell 21:17 Punkten und Rang acht auch gute Voraussetzungen dafür. Nach dem furiosen Start in die Saison als Aufsteiger mit einer Wahnsinnsbilanz von 14:4 Zählern hatte man dem BHC sogar noch mehr zugetraut. Dass man danach mit 7:13 Punkten deutlich abfiel und sich im Mittelfeld einsortierte, ist in Anbetracht der langen Verletztenliste immer noch vollkommen in Ordnung. Ein Erfolgserlebnis gab es derweil auch: Torwart Christopher Rudeck, der eine starke Hinrunde gespielt hatte, gab beim All Star Game Anfang des Monats sein Debüt in der Nationalmannschaft. Der 24-Jährige kann immer ein Faktor werden in einem Spiel – so auch am Samstag beim Duell der Badischen gegen die Bergischen Löwen.

Ob es auf die Mannschaft abfärbt, dass es beim BHC aktuell im Umfeld rumort, wird sich dann auch zeigen müssen. Mit einem Brandbrief reagierte der größte Fanclub des Vereins auf die Pläne der Geschäftsführung, den Spielort Düsseldorf weiter zu stärken und auszubauen. Die Fanclubmitglieder sehen die eigentliche Heimat in Solingen und Wuppertal. Die Vereinsverantwortlichen führen wirtschaftliche Argumente ins Feld, der Widerspruch zwischen Tradition und Zukunftsfähigkeit wird hier offensichtlich. Das auszublenden, wird die Aufgabe der Mannschaft am Samstag sein. Dann kann der BHC für die Rhein-Neckar Löwen eine richtig harte Nuss werden. Diese zu knacken, ist dringend notwendig: Bei sieben Punkten Rückstand auf Flensburg und drei auf den Zweiten Kiel dürfen sich die Badener in der Bundesliga keinen Ausrutscher mehr erlauben. 

Quelle: Rhein-Neckar Löwen

Foto: Binder