09.05.2015  REWE Final4

Erster Finalist beim REWE Final Four ist die SG Flensburg-Handewitt

Der erste Finalist beim REWE Final Four steht fest: In einem spannenden Halbfinale setzte sich die SG Flensburg-Handewitt in der letzten Sekunde mit 24:23 (10:10) gegen die Rhein-Neckar Löwen durch. Bester Torschütze der Partie war Löwen-Kapitän Uwe Gensheimer mit 11/6 Treffern. Flensburgs Mittelmann Jim Gottfridsson sorgte mit seinem sechsten Treffer mit dem Schlusspfiff für die Entscheidung.

Zum fünften Mal in Folge und zum elften Mal insgesamt hat die SG Flensburg-Handewitt das Endspiel um den DHB-Pokal erreicht. Die Nordlichter schlugen in einem Krimi die Rhein-Neckar Löwen mit 24:23 (10:10). 

 Das Finale wird am morgigen Sonntag um 14.15 Uhr angepfiffen. Der Gegner ist der SC Magdeburg, der die Füchse Berlin mit 27:26 bezwang. Mit dem ersten Tag waren die SG Verantwortlichen natürlich sehr zufrieden. „Es war ein Spiel zweier Spitzenteams mit zwei sehr starken Abwehrreihen“, meinte SG Trainer Ljubomir Vranjes. „Wir haben ein paar Dinge anders gemacht als zuletzt, das war sicherlich hilfreich.“ Und SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke schnalzte mit der Zunge: „Das war Handball auf höchstem Niveau plus Herzschlag-Finale.“
Schon die ersten Impressionen in der O2 World waren fantastisch. Die Fans hielten Konterfeis ihrer Lieblinge in die Höhe und garnierten sie kurz darauf mit roten und blauen Folien. Und dann wurde Ljubomir Vranjes als IHF-Trainer des Jahres geehrt. Auf dem Spielfeld sorgte Jim Gottfridsson für die ersten Akzente. Der junge Schwede hatte bei den jüngsten Länderspielen geglänzt und stand zusammen mit Thomas Mogensen in der Startaufstellung. Er erkämpfte gleich den ersten Siebenmeter, den Anders Eggert verwandelte.
Die SG begann überhaupt sehr souverän. Lasse Svan traf aus dem Rückraum, Mattias Andersson nervte Löwen-Rechtsaußen Patrick Groetzki, und Anders Eggert konterte zum 4:1. Doch nach dem 5:2 wurde es schwer für den SG Angriff; die gegnerische Abwehr hatte sich formiert. Da mussten die SG Fans auch mal sieben Minuten auf einen Torjubel warten. Aber Ljubomir Vranjes hatte drei Wochen Zeit zur Vorbereitung und ließ seine Jungs immer wieder ein paar Überraschungskomponenten einstreuen. Mal hatte die Abwehr eine sehr offensive Orientierung. Dann, in Unterzahl, verschwand Mattias Andersson auf der Bank, und Johan Jakobsson agierte mit Leibchen als sechster Feldspieler. Einmal wäre es fast schiefgegangen: Doch ein Distanzwurf der Badener flog über das Gehäuse. 
Aber auch so zogen die Löwen vorbei und führten beim 8:9 erstmals. Ander Zachariassen nutzte eine Lücke am Kreis, doch National-Linksaußen Uwe Gensheimer antwortete aus der zweiten Reihe. Beim letzten SG Angriff vor der Pause bewies Johan Jakobsson Coolness und schaffte mit einem satten Geschoss den 10:10-Ausgleich. Damit ging es in die Kabine, da Mattias Andersson einen Wurf von Patrick Groetzki entschärfte. Mit der Leistung nach 30 Minuten durfte man zufrieden sein. „Es war bislang keine einfache Saison“, urteilte Dierk Schmäschke. „Aber Mannschaft und Trainer glauben an sich – und die Fans haben uns super empfangen.“
Der zweite Abschnitt begann ganz nach dem Geschmack der Süddeutschen. Zwar glich der starke Johan Jakobsson noch einmal zum 11:11 aus, doch dann durchwanderte die SG ein Tief. Eine Vierer-Serie zum 11:15 – und schon wieder ein Ballverlust. „Wenn wir bei diesem Gegenstoß nicht den Ball verloren hätten, dann wären wir mit fünf Toren vorne gewesen – und wir hätten gewonnen“, ärgerte sich Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen später. „Dann kam in meiner Mannschaft etwas Unruhe auf, und die letzten 40 Minuten waren nicht mehr so stark. Dagegen erwachte bei der SG eine Sieger-Mentalität, die vom Köln-Triumph herrühren muss.“
In der Tat: Als die ersten Beobachter bereits die Bilanzen schreiben wollten, meldete sich die SG zurück. Der Angriff erwies sich nun als effizient, fand gute Lösungen gegen die Löwen-Deckung. Die Vollstrecker hießen Jim Gottfridsson und natürlich Johan Jakobsson. Beim 15:17 gedieh wieder die Hoffnung. Aber es war ein harter Weg, bei dem Ljubomir Vranjes seinem kompletten Kader vertraute. Hampus Wanne wirbelte nun auf Linksaußen. Kevin Møller ging nach einer Dreiviertelstunde in den Kasten und freute sich gleich über die ersten Paraden. Seine Vorderleute schalteten den Kampf-Turbo ein und sausten dem Coup entgegen. Lasse Svan mit einem Doppelschlag zum 20:21, dann der kecke Hampus Wanne zum 21:21-Remis. Die Partie war wieder völlig offen, die Party entzündete sich im SG Block. Aber noch waren fast sieben Minuten zu spielen.
Es wurde ein Krimi: Thomas Mogensen und Johan Jakobsson legten vor, doch die Löwen antworteten jeweils. Doch zweieinhalb Minuten vor Schluss markierte Uwe Gensheimer von Linksaußen das 23:23. Das Ganze war nun eine Nervensache: Anders Eggert scheiterte mit einem Siebenmeter an Niklas Landin, während Patrick Groetzki in Kevin Møller seinen Meister fand. Die SG hatte Ballbesitz – nur noch 30 Sekunden. Die Zeit lief davon. Als sie fast abgelaufen war, nahm sich Jim Gottfridsson ein Herz. Und siehe da: Der Ball zappelte im Netz. Urplötzlich entlud sich die Entspannung in eine Jubelorgie. Mittendrin: der Schütze des goldenen Tores. Die Fans sangen: „O, wie ist das schön!“ Auch Ljubomir Vranjes feierte mit seinen Jungs, hob dann aber mahnend den Finger. „Heute lobe ich nur ganz wenig“, sagte er. „Wir fahren jetzt ins Hotel. Essen und schlafen – morgen ist auch noch ein Tag.“

Foto: Klahn

Quelle: SG Flensburg-Handewitt