19.11.2022  2. HBL

Vierter Saisonsieg: Konstanz bezwingt Würzburg vor heimischer Kulisse

Die HSG Konstanz macht weiter Boden gut: Der 32:29 (16:18)-Heimsieg vor 1250 frenetischen Fans gegen die Wölfe Würzburg bedeutet neun Punkte aus den letzten sechs Spielen in der 2. Handball-Bundesliga. Mit dem hart erkämpften Erfolg trotz Vier-Tore-Rückstandes 20 Minuten vor Ende klettert die HSG in der Tabelle auf Rang 15. Die Gäste aus Würzburg hingegen bleiben das Schlusslicht der Liga.

X-Faktor Schänzle-Hölle

Es war alles irgendwie wie im Aufstiegsfinale gegen Wilhelmshaven. Die HSG Konstanz leistete sich von Beginn an viel zu viele technische Fehler, die der Gegner in leichte Tore ummünzte. Wirkte nervös, teilweise fahrig. Es blieb das Gefühl, dass viel mehr möglich wäre – alleine, sie brachte es nicht auf die Platte. Stattdessen zeigten die verletzungsgebeutelten Gäste Ruhe, Cleverness und hohe Effizienz. Auch sie waren nicht fehlerfrei, aber meist einen, wenn nicht gar zwei Schritte voraus. Bis plötzlich wieder einmal wie so oft die 1250 heißblütigen Fans zum X-Faktor wurden. 48 Minuten waren gespielt, als sich alle von ihren Sitzen erhoben hatten und sich auch bis zum Schluss nicht mehr hinsetzen wollten. Der Hexenkessel Schänzle-Hölle kochte. „Das hat nochmal sehr viel aus uns herausgekitzelt“, meinte dazu Matchwinner Lars Michelberger. „Ich war zwar schon echt am Ende, aber dachte mir: Jetzt nochmal alles reinhauen für die Fans.“ Plötzlich kippte eine Partie, die die Wölfe wenige Minuten zuvor noch komplett im Griff gehabt hatten. Mit 23:19 in Front lagen und auf sehr gutem Weg zum ersten Auswärtssieg der Saison waren.

Ebert hält, Michelberger trifft

Doch der großartige Rückhalt von den Rängen verlieh der HSG Konstanz noch einmal ordentlich zusätzliche Energie. Würzburg hingegen merkte man den Kräfteverschleiß immer mehr an, während Konstanz nun nochmal richtig zulegte. Niklas Ingenpaß und Michel Stotz räumten im Innenblock nun alles ab, was sich ihnen in den Weg stellte, Michelberger übernahm Verantwortung und war nicht mehr zu bremsen und der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Torwart Moritz Ebert vernagelte wie schon gegen Lübeck mit nun neun Paraden seinen Kasten. Abwehrquote: 45 Prozent! Michelberger setzte zudem die Big Points – wie zum 24:24 (49.), einer seiner zehn Treffer an diesem denkwürdigen Abend. Die Schänzle-Hölle stand Kopf und der Mut von Jörg Lützelberger machte sich bezahlt. Nicht nur in der Einwechslung von Ebert, obwohl schon Leon Grabenstein mit acht Paraden im ersten Durchgang überzeugt hatte, sondern auch mit der Hereinnahme von Sebastian Hutecek. Der Österreicher war ebenfalls einer, der nun das Spiel an sich riss, Tempo, gute Ideen und Zug zum Tor einbrachte.

„Über die Teamleistung und die Abwehr gedreht“

Die erste Führung zum 25:24 nach dem 8:7 in der Anfangsphase erzielte im Duell mit seinem Zwillingsbruder als Trainer der Gäste schließlich Gregor Thomann mit einem ganz frechen Aufsetzer vom Punkt. Lukas Böhm glich knapp sechs Minuten vor Schluss für die Unterfranken aus – zum letzten Mal. Dann zog die HSG mit wahnsinnig hoher Intensität in der Deckungsarbeit und einem kaum mehr zu überwindenden Ebert davon. Luis Foege, wieder Michelberger und Hutecek machten die Schänzle-Hölle endgültig zum Tollhaus und Joel Mauch mit dem 32:28 endgültig den Deckel drauf. „Wir haben es über die Teamleistung und die Abwehr gedreht“, strahlte Michelberger.

„Brocken aus dem Rucksack geworfen“

Sein Trainer war dementsprechend stolz auf seine Mannschaft, die die von ihm beschriebene „dritte harte Nuss“ geknackt hatte. Jene, mit einer gewissen Erwartungshaltung gut umzugehen, dem Druck standzuhalten, gerade in schwierigen Phasen. Lützelberger wendete sich jedoch zunächst an „diese fantastische Kulisse. Man darf heute einmal mehr sagen, dass diese Kulisse unsere Spieler unglaublich gepusht hat. Das war ein ganz wichtiger Faktor dafür, dass wir dieses Spiel nochmal drehen konnten.“ Gleichzeitig freute der 37-Jährige sich über den erhofften nächsten Entwicklungsschritt seines jungen Teams. Ein Ballast war, so erklärte er mit Blick auf die letzte Zweitliga-Saison der HSG, „dass die Mannschaft in Partien, in denen sie vermeintlich musste, die Punkte nicht geholt hat. Diesen Brocken haben wir heute aus dem Rucksack rausgeworfen. Es ist schön, diese Entwicklung zu sehen.“

Statistik:

HSG Konstanz – Wölfe Würzburg 32:29 (16:18)

HSG Konstanz: Moritz Ebert (9 Paraden), Leon Grabenstein (8 Paraden) (beide Tor); Michel Stotz, Aron Czako (1), Luis Foege (3), Lars Michelberger (10), Gregor Thomann (4/2), Christos Erifopoulos, Joel Mauch (1), Fynn Beckmann (3), Samuel Wendel (1), Niklas Ingenpaß (1), Lukas Köder (4/4), David Knezevic (1), Sebastian Hutecek (3)

Trainer: Jörg Lützelberger

Wölfe Würzburg: Jonas Maier (2 Paraden), Andreas Wieser (4 Paraden) (beide Tor); Patrick Schmidt (7), Oliver Seidler (3), Julius Rose (3), Valentin Neagu (1), Alexander Merk, Linus Dürr, Benedikt Hack, Felix Karle (5), Steffen Kaufmann (5), Lukas Böhm (3), Hannes Rabe (1), Josef Weber (1)

Trainer: Julian Thomann

Zuschauer: 1250 in der Schänzle-Sporthalle Konstanz

Schiedsrichter: Jan Lier und Manuel Lier

Zeitstrafen: Konstanz 4 Min. (Stotz und Michelberger je 2 Min.) / Würzburg 4 Min. (Neagu und Seidler je 2 Min.)

Siebenmeter: Konstanz 6/6 – Würzburg –

Quelle: HSG Konstanz / Foto: Pisa